Einer der ältesten und bedeutendsten deutschen Literaturpreise ist der Buxtehuder Bulle. Mit ihm wird das beste Jugendbuch des Jahres geehrt. Dabei werden Jugendromane aller Sprachen und aller Autoren bedacht, soweit sie auch auf Deutsch erschienen sind. Mit dem Buxtehuder Bullen wird angestrebt, Jugendliche für das Lesen zu begeistern, aber auch die Verbreitung guter Jugendliteratur zu fördern. Buxtehudes Bürgermeisterin drückte es so aus: “ Lesen ist ein Fenster zur Welt und zu sich selbst. Es inspiriert zu Kreativität…Es lässt uns mitlieben und mitleiden, lässt uns eintauchen in fremde Welten, und lässt unsere Seele reisen.“

Die Jury wird jährlich durch ein Losverfahren ermittelt und besteht aus elf Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren und elf Erwachsenen, dabei kommen je sieben Jurymitglieder der Jugendlichen und der Erwachsenen aus Buxtehude und vier von aus allen Bundesländern. Um Jurymitglied zu werden, kann man sich bis zum 9. September jedes Jahres bei der Stadtbibliothek Buxtehude bewerben. Die ermittelten Preisträger erhalten 5000 Euro Preisgeld und eine Stahlplastik in Form eines Bullen.

In diesem Jahr konnte der 49. und der 50. Bulle, des seit 1971 gestifteten Jugendliteraturpreis verliehen werden. Im letzten Jahr wurde der Preis Pandemie bedingt nicht verliehen. Dafür war jetzt die Freude über eine in Präsenz durchgeführte Jubiläumsveranstaltung doppelt so groß. So ließen es sich die beiden ausgezeichneten Preisträger auch nicht nehmen, am Donnerstag, dem 11.11.2021  persönlich in Buxtehude auf der Halepaghen-Bühne vor anwesendem Publikum, den Bullen zu empfangen. Wendelin Van Draanen sagte dazu. „Winfried Ziemann hat ganz selbstlos einen Preis geschaffen, der eine Gemeinschaft formt, die weit über Buxtehudes Grenzen hinaus besteht.“ Diese Atmosphäre der Gemeinsamkeit haben alle genossen

Die US-amerikanische Autorin Wendelin Van Draanen, die mit ihrer Familie in Kalifornien lebt und früher Lehrerin war, bekam den 49. Bullen für ihren Jugendroman Acht Wochen Wüste, erschienen im Magellan-Verlag, übersetzt von Jessika Komina und Sandra Knuffinke.

In diesem Jugendbuch geht es um die Jugendliche Wren, das Erwachsenwerden, Drogenkonsum und den unfreiwilligen Aufenthalt in einem Wildnis-Therapie-Camp.

Den 50. Bullen erhielt Alan Gratz, der amerikanische Autor lebt mit Frau und Tochter im westlichen North Carolina und hat einen Bachelor of Arts in kreativem Schreiben und einen Master-Abschluss in Englisch. Sein preisgekröntes Werk Vor uns das Meer – Drei Jugendliche-Drei Jahrzehnte-Eine Hoffnung ist im Hanser Verlag erschienen und wurde von Meritxell Janina Piel übersetzt.

Alan Gratz erzählt gleich drei Fluchtgeschichten aus den Jahren 1939, 1994 und 2015 parallel. Er stellt somit nicht ein Einzelschicksal in den Mittelpunkt, sondern das Phänomen Flucht an sich. Und die  immer ähnlichen Ursachen wie Hunger, Unfreiheit oder Krieg und den schrecklichen Erfahrungen und Ängste auf dem Weg in die Fremde, wie auch den möglichen Problemen bei der Ankunft in der neuen Heimat.