Zeithistoriker Wolfgang Benz spricht über Flucht und Exil
Veranstaltung mit der Geschichtswerkstatt Stendal am 18. Januar um 14 Uhr im Café „bohne & praline“
„Denken ohne Geländer“ wird von der Hochschule Magdeburg-Stendal, dem Theater der Altmark und derLandeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt veranstaltet und aus dem Landesprogramm „Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit“ Sachsen-Anhalt gefördert. Projektträgerin ist die Freiwilligen-Agentur Altmark e.V.
Das gesamte Programm von „Denken ohne Geländer“ 2026 mit weiterführenden Informationen gibt es unter
www.denken-ohne-gelaender.de und hier: https://journalismus-buecher-pfundtner.de/denken-ohne-gelaender-2026/.
Die Geschichtswerkstatt Stendal e.V. gestaltet am Sonntag, 18. Januar 2026, ab 14.00 Uhr gemeinsam mit dem Zeithistoriker Prof. Dr. Wolfgang Benz einen Nachmittag über Flucht und Exil während des Nationalsozialismus. Der international anerkannte Experte für Antisemitismusforschung, Vorurteilsforschung und die Geschichte des Nationalsozialismus ist einer der besten Kenner derThematik. Einführend gibt die Geschichtswerkstatt Einblick in ihre Recherchen über jüdische Stendalerinnen und Stendaler, denen es trotz widriger Umstände gelang, zu fliehen und so ihr Leben zu retten. Eine Veranstaltung im Rahmen von „Denken ohne Geländer“ 2026.

Porträt Wolfgang Benz© Foto- privat
Verschärfte politische und wirtschaftliche Repressionen der Nationalsozialisten führten ab 1938 dazu, dass die Flucht aus Deutschland für Jüdinnen und Juden immer schwerer wurde. Der NS-Staat schöpfte gnadenlos alle Werte aus ihrem Eigentum ab und behinderte den Transfer von jüdischem Vermögen ins Ausland. Fast alle Staaten der Welt schlossen für die nun mittellosen Flüchtlinge ihre Grenzen und führten strengste Regelungen ein. In der Veranstaltung nachvollzogen wird der Weg der Stendaler Familien Grünberg und Becka. Samuel Grünberg, der ein Möbel- und Konfektionshaus im Schadewachten 32a betrieb, floh 1938 mit seiner Frau Regina nach Palästina. Sohn Albrecht gelang 1941 die Einreise in die USA. Der Einzelhandelskaufmann Harry Becka musste 1938 sein Geschäft für Leder und Textilien in der Breiten Straße 32 verkaufen und schaffte 1939 mit seiner Familie die Ausreise nach Argentinien.
Diese Menschen aus Stendal zählen zu den Hunderttausenden, die zwischen 1933 und 1945 aus Deutschland vertrieben wurden – sei es, weil sie Juden waren oder Gegner des Naziregimes.

In seinem aktuellen Werk „Exil“ beschreibt der renommierte Zeithistoriker Prof. Dr. Wolfgang Benz umfassend die Geschichte diesergewaltigen Fluchtbewegung. In seinem Buch zeichnet er „minutiös die Etappen und Orte des Exils nach, die oft demütigenden Umstände der Visabeschaffung und die schwierigen Lebensbedingungen als Fremde und häufig Unwillkommene in einem anderen Land.
Wolfgang Benz beantwortet nach seinem Vortrag auch gern die Fragen des Publikums. Der Nachmittag beginnt um 14.00 Uhr im Café „bohne & praline“ am Stendaler Marktplatz. Der Eintritt ist frei.
Exil
GESCHICHTE EINER VERTREIBUNG 1933-1945.
Eingepfercht auf einem Schiff hoffen jüdische Flüchtlinge auf ein neues Leben in Israel. Thomas Mann ist als berühmter Schriftsteller in den USA zwar privilegiert, aber auch er muss sich in einem Leben im Exil einrichten. Marianne Cohn gelingt die Rettung nicht. Sie wird auf der Flucht in die Schweiz geschändet und erschossen. Das Exil in der Zeit des Nationalsozialismus besteht aus unendlich vielen Geschichten und führt in alle Weltgegenden. Wolfgang Benz, einer der besten Kenner des Themas, legt nun die erste große Gesamtdarstellung vor.
Das Dritte Reich zwang hunderttausende Menschen dazu, Deutschland zu verlassen. Jüdinnen und Juden mussten ebenso um ihr Leben fürchten wie solche Deutsche, die sich gegen die Nazis engagiert hatten oder nicht mit ihrer Weltanschauung übereinstimmten. In seiner grundlegenden Darstellung erzählt Wolfgang Benz ebenso eindringlich wie quellennah die Geschichte dieser gewaltigen Fluchtbewegung. Er zeichnet minutiös die Etappen und Orte des Exils nach, die oft demütigenden Umstände der Visabeschaffung und die schwierigen Lebensbedingungen als Fremde und häufig Unwillkommene in einem anderen Land. Dabei gibt er den „Berühmtheiten" wie Hannah Arendt, Sigmund Freud oder Thomas Mann eine Stimme, vor allem aber auch Menschen, denen sonst nur wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. So steht das Schicksal einer unbekannten jüdischen Kinderfürsorgerin gleichberechtigt neben dem Weg des weltberühmten Begründers der Relativitätstheorie.
Herausgeber : C.H.Beck
Erscheinungstermin : 12. Februar 2025
Auflage : 1.
Sprache : Deutsch
Seitenzahl : 407 Seiten
Preis : 36 Euro
ISBN-13 : 978-3406829338
Wolfgang Benz, geboren 1941, ist emeritierter Professor für Zeitgeschichte und einer der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin, gründete das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung und war bis 2011 dessen Leiter. 1992 erhielt er den Geschwister Scholl-Preis. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft sowie Autor zahlreicher Veröffentlichungen, darunter einiger Standardwerke zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert.
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