Absturz ins Mittelmaß?
Dorotty Szalma und ihr Team stellten den Theaterfreunden die neue Saison vor. Lohnt sich der Besuch im TdA?

Dorotty Szalma, Intendantin des TdA in Stendal.©T.Pfundter
Dorotty Szalma und ihr Team machten alle Theaterfreunde neugierig auf die neue Saison. Zu Recht?
Es war wieder so weit: Das Theater der Altmark stellte am Ende der Theatersaison 2025/2026 das Programm für die neue Spielzeit, die offiziell am 12. September beginnt, vor. Die Messlatte war in diesem Jahr besonders hochgelegt – hatte die herausragende Präsentation im vergangenen Jahr beim neugierigen Publikum hohe Erwartungen geweckt. Konnten diese erfüllt werden?

Motto der neuen Theatersaison: „Rasend“.©T.Pfundtner
Von Thomas Pfundtner
Stendal – Am Sonnabend vor Muttertag, 9.05.2026, wollte das Theater der Altmark das Interesse für die neue Saison wecken und den Vorverkauf anschieben. Dabei galt es, sowohl einen Blick auf die Aktivitäten des Landestheaters zu werfen als auch zwölf Premieren den Theaterfans schmackhaft zu machen. Dabei war es das Ziel der Intendanz, den Ausblick auf 90 Minuten zu begrenzen, da die Vorstellung im vergangenen Jahr über zwei Stunden dauerte. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass die lange Zeit niemanden störte, wurde auf der Bühne nicht nur ein Feuerwerk an „Anschmeckern“ abgebrannt, sondern auch auf mitreißende Musik gesetzt.
Nun also eine straffe Zeitvorgabe, die zum einen sowieso nicht eingehalten wurde und zum anderen, die Qualität dieses Vormittags (leider) ziemlich einschränkte.
Das begann bereits mit der Vorstellung des Mottos für die Saison: „Rasend“. Intendantin Dorotty Szalma erläuterte, dass sich unsere Welt rasend schnell verändert und das Theater darauf reagieren muss. „Auch wir rennen zu schnell los und kommen dennoch zu spät an“, sagte sie und bezog dies sowohl auf die Theaterwelt als auch auf jeden Einzelnen von uns. Inwiefern dies auf das TdA zutrifft, wird sich im Laufe der Saison zeigen. Kurz und knapp, mit relativ geringem Interpretationsspielraum für das geneigte Publikum.
Ein staatliches Landestheater hat – anders als private Häuser – besonders viele Aufgaben zu erfüllen. Wichtige Pfeiler sind dabei die Amateur-Spielclubs aller Altersgruppen. Ein besonderer Blick gilt dabei der Kinder- und Jugendarbeit. Für diesen Bereich kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass das TdA hervorragend aufgestellt ist und eine sehr gute Arbeit leistet.

Roman Kupisch stellte Projekte mit den jüngsten Team-Mitgliedern vor.©T.Pfundtner

Wie in der vergangenen Spielzeit wird es auch musikalische Projekte geben.©T.Pfundtner
Zum ersten Mal hatte die Intendanz entschieden, vor der Vorstellung der Premieren, auf zahlreiche andere Aktivitäten des Theaters hinzuweisen. Für Chef-Dramaturg Roman Kupisch eine schwierige Aufgabe: Proben mit den Kindern und Jugendlichen, die ihre Amateurgruppe vorstellen sollten, waren nicht möglich, sodass sich bei der Präsentation mal Schweigen, mal Ein-Wort-Antworten abwechselten. Und die – fast nur weiblichen Vertreterinnen – der Erwachsenen-Spielgruppen schienen mehr an sich als an ihren Auftrag zu denken. Zwar gab es bei jeder Spielgruppe Applaus, der aber nicht unbedingt „rasend“ machte.
Amüsanter und nachhaltiger wäre eine dynamischere Vorstellung gewesen, zum Beispiel ein gemeinsames Stück aller Altersgruppen auf der Bühne …
Viel Vorfreude auf „FETZT!“ und das „FAUSTIVAL“ vermittelte Robert Grzywotz, Abteilungsleiter Theaterpädagogik. In der neuen Saison werden wieder die jungen Leute aus Klassen verschiedener Schulen Teile eines Stückes bearbeiten, proben und dann auf die Bühne bringen. Im vierten Jahr dieser mittlerweile äußerst erfolgreichen und beliebten „Serie“ werden sich die Schülerinnen und Schüler mit „ELEKTRA“ von Sophokles auseinandersetzen. Da ist Spannung garantiert …
Selbiges gilt auch für das „FETZT!FESTIVAL“: An vier Tagen stellen sämtliche Spielgruppen des TdA ihre Produktionen dem geneigten Publikum vor. Dazu ein buntes Rahmenprogramm rund um das TdA sorgen dafür, dass auch die Spielpausen nicht langweilig werden. Das werden sicherlich aufregende Theatertage.
Vorfreude auf die Spielgruppen und Schulklassen
Amüsanter und nachhaltiger wäre eine dynamischere Vorstellung gewesen, zum Beispiel ein gemeinsames Stück aller Altersgruppen auf der Bühne …
Viel Vorfreude auf „FETZT!“ und das „FAUSTIVAL“ vermittelte Robert Grzywotz Abteilungsleiter Theaterpädagogik. In der neuen Saison werden wieder die jungen Leute aus Klassen aus verschiedenen Schulen Teile eines Stückes bearbeiten, proben und dann auf die Bühne bringen. Im vierten Jahr dieser mittlerweile äußerst erfolgreichen und beliebten „Serie“ werden sich die Schülerinnen und Schüler mit „ELEKTRA“ von Sophokles auseinandersetzen. Da ist Spannung garantiert …
Selbiges gilt auch für das „FETZT!FESTIVAL“: An vier Tagen stellen sämtliche Spielgruppen des TdA ihre Produktionen dem geneigten Publikum vor. Dazu ein buntes Rahmenprogramm rund um das TdA sorgen dafür, dass auch die Spielpausen nicht langweilig werden. Das werden sicherlich aufregende Theatertage.
Nackter Wahnsinn und Goldzombies treffen auf Maria Stuart

Niclas Ramdohr, musikalischer Leiter des TdA, wird weiterhin aktiv seinen Beitrag zum Programm beitragen.©T.Pfundtner

Kannibalismus auf hoher See mit drei Herren.©T.Pfundtner
Logischerweise lag auch in diesem Jahr das Hauptaugenmerk auf den Premieren der kommenden Saison. Wie im vergangenen Jahr auch stehen 12 Neu-Inszenierungen auf dem Bühnen-Programm.
Eröffnet wird die Saison mit der Komödie „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn.
Dazu schreibt Rainer Wolff in den Badischen Nachrichten: „Eine abgewrackte Tourneegruppe führt eine platte Komödie namens „Nackte Tatsachen“ auf. Mehr als den ersten Akt bekommt das Publikum nicht zu sehen, diesen dafür aber gleich drei Mal: als turbulente Generalprobe, dann (aus der entlarvenden Perspektive hinter den Kulissen) als „normale“ Vorstellung auf Tour, die bereits Symptome des Verfalls zeigt, und schließlich als völlig verrottete Aufführung zum überfälligen Ende der Serie – diesmal wieder in gewohnter Blickrichtung, aber im ernüchternden Bewusstsein der chaotischen Vorgänge hinter der Szene. Versteht sich, dass die „nackten Tatsachen“, um die es da auf der Bühne eigentlich gehen sollte, alsbald zurücktreten hinter das mehr oder minder wüste Kulissengeflüster, das unter den Beteiligten dieser Tournee immer heftiger herrscht…“
Übrigens: Das Stück wurde 1982 im Londoner „Hammersmith Theatre“ aufgeführte und feierte ein Jahr später in Deutschland Premiere. Seitdem wird „Der nackte Wahnsinn“ regelmäßig gespielt – oft in zeitgemäßen und regional bezogenen Adaptionen. Wir sind gespannt, wie die Theaterpersiflage in die Altmark und das TdA integriert wird …
Über weitere Premieren schreibt Intendantin Dorotty Szalama in der Programmvorschau „Rasend“ (liegt sowohl im Theater als auch in vielen öffentlichen Gebäuden, Gastronomiebetrieben und Geschäften aus): „… Oder der rastlose Glücks-Verpeiler HANS IM GLÜCK. Friedrich Schillers MARIA STUART zeigt uns die Größe des menschlichen Gewissens als spannenden Thriller. In Heiner Müllers QUARTETT – der Fortschreibung von Gefährliche Liebschaften – findet sich gleich ein ganzes Panoptikum rasender Zustände. Von rasendem Hunger getrieben, führen drei schiffbrüchige Herren AUF HOHER SEE ganz demokratisch den Kannibalismus ein. Und im KLEINEN HORRORLADEN ist es unstillbares Verlangen, das die Protagonisten nicht voneinander loskommen lässt – Verlangen nach Anerkennung, Liebe, Erfolg und Menschenfleisch.“
Ebenfalls auf die Bühnen des TdA oder in die Schulen kommen in der neuen Spielzeit:
DAS AI.S KALTE HERZ
AN DER ARCHE UM ACHT
ASCHENBRÖDEL – NUSS MIT LUSTIG
GOLDZOMBIES.
Für das Sommertheater steht für die Klosterbühne in Arendsee 2027 „NIPPLE JESUS“, ein Ein-Personen-Stück des Pop-Literaten Nick Hornby im Spielplan.

Alle Beteiligten des Abends hoffen auf das Publikumsinteresse.©T.Pfundtner
Nach der Präsentation bildete sich schnell eine längere Schlange an der Theaterkasse und zahlreiche Besucher wollten Tickets zum Vorzugspreis erwerben. Andere wiederum verließen etwas ratlos das Theater, konnten teilweise mit den Stücken nichts anfangen und werden sicherlich die Mundpropaganda zu den verschiedenen Aufführungen abwarten.
In drei Jahren ein Ensemble ausgetauscht
In drei Jahren ein Ensemble ausgetauscht

Theater der Altmark – Großes Haus©ik
Fazit: Zweifelsohne nehmen Saison-Vorstellungen einen immer wichtigeren Platz im Kampf um Theaterzuschauer ein. Witz, Pep und Überraschungen können dabei die entscheidende Würze sein, ob ein Stück bereits im Vorfeld auf Resonanz stößt oder nicht. Davon war an diesem Sonnabend nur wenig zu spüren und so mancher Gast fragte sich besorgt, ob das Theater der Altmark nicht im Mittelmaß versinkt. Das ist vielleicht im Moment noch etwas weit hergeholt, doch einige Dinge geben schon zu denken:
Auch in diesem Jahr verlassen wieder altgediente Schauspieler am TdA das Haus: Katrin Steinke kehrt zurück nach Berlin, um wieder freiberuflich zu arbeiten. Matthias Hinz, kehrt Stendal ebenfalls den Rücken. Ihn zieht es – teilweise aus familiären Gründen – nach Dresden … Und auch Puppen- und Schauspielerin Anastasiia Starodubova beendet ihr Engagement nach nur einem Jahr Zugehörigkeit zum TdA. Aus vielerlei Gründen …
Interessant: Nach nur drei Jahren wurde das Ensemble, mit dem Dorotty Szalma 2023/24 an den Start ging, komplett ausgetauscht. Nur noch Hannes Liebmann ist geblieben.
Eine kleine telefonische Umfrage bei anderen Schauspielhäusern ergab, dass diese Rotation zumindest nicht „ganz normal“ sei. Es wird also spannend sein, zu beobachten, wie sich das junge Ensemble und die Neuzugänge ohne die „alten Hasen“ behaupten werden.
Derzeit ist völlig offen, welche neuen Schau- und Puppenspieler 2026/2027 neu in Stendal auftauchen und das Ensemble bereichern werden. Somit ist auch für Theaterinteressierte noch völlig offen, wie die Stücke, die zur Aufführung kommen, besetzt werden. Wer an diesem Vorschausonnabend darüber nachdachte, sah die kurzen Szenen auf der Bühne mit ganz anderen Augen …
Hoffnung auf eine tolle neue Saison bleibt
Hoffnung auf eine tolle neue Saison bleibt
Selbst bei näherem Hinschauen entdeckt der Autor keine inhaltlichen Höhepunkte für die neue Saison. Fast alle Stücke sind nicht sehr bekannt – mit Ausnahme von „MARIA STUART“ und „DER KLEINE HORRORLADEN“. Das Stück „AN DER ARCHE UM ACHT“ ist vom Publikum begeistert aufgenommen worden und wurde weltweit in über 400 Aufführungen gespielt, so auch im Kieler Werftparktheater mit großem Erfolg.
Es scheint, als ob die neue Spielzeit so dahinfließen würde. Tatsächlich machen die neuen Stücke den Autor weniger „rasend“ als die Wiederaufnahmen von „DISKO“, „DIE STERNSTUNDE DES JOSEF BIEDER“ oder „DA RENNT DER SCHMÄH“.
Aber vielleicht täuscht sich der Autor auch und es wird eine tolle Saison, die rasend macht. Wir wollen es zumindest hoffen …
Premieren der Spielzeit 2026/2027
• DER NACKTE WAHNSINN
Komödie von Michael Fryn; übersetzt von Ursula Lyn
Premiere: 12.9.2026
• HANS IM GLÜCK
Puppenspiel von Stefan Siegfried, Kompositionen: Niclas Ramdohr;
Premiere: 19.9.2026
• DAS AI.S KALTE HERZ
Schauspiel von Daniel Ratthei. Regie: Siri Wiedenbusch!
Premiere: 10.10.2026
• AN DER ARCHE UM ACHT
Musiktheater für die ganze Familie. Liedtexte: Kerstin Slawek
Premiere: 31.10.2026
• ASCHENBRÖDEL – NUSS MIT LUSTIG
Von Stefan Klein, frei nach nach Märchen und Film
Premiere 14.11.2026
• MARIA STUART
Klassiker von Friedrich Schiller
Premiere: 16.1.2027
• QUARTETT
Schauspiel von Heiner Müller bitterböses, gnadenloses Machtspiel zwischen zwei Menschen.
Premiere: 6.3.2027
• AUF HOHER SEE
Komödie von Slawomir Meozek, Übersetzung Ludwig Zimmerer
Premiere: 20.3.2027
• DER KLEINE HORRORLADEN
Herzerfrischendes „Grusel-Musical“ von Howard Ashman. Musikalische Leitung: Niclas Ramdohr
Premiere: 3.4.2027
• GOLDZOMBIES
Von Marisa Wendt, Regie: Patricia Hachtel
Premiere: 30.4.2027
• NIPPLE JESUS
Von Nick Hornby. Deutsch von Clara Drechsler und Harald Hellmann
Premiere: 29.5. 2027 Klosterbühne Arendsee
• ZORRO
Buch und Gesang: Stephen Clark, Musik: Gipsy Kings, Deutsch von Holger Hauer (Gesangstexte) und Jürgen Hartmann (Buch)
Premiere: 26.6. 2027 Hafenbühne Tangermünde
Hinterlasse einen Kommentar