Wie jüdisches Leben nach Deutschland zurückkehrte

Was 1945 niemand für möglich gehalten hat, geschah. Juden, die die Schoah überlebt hatten, kehrten nach Deutschland zurück oder ließen sich in Deutschland nieder, beteiligten sich am Aufbau der beiden deutschen Staaten und begaben sich dadurch in ein besonderes Spannungsfeld deutsch-jüdischer Identität. Richard Chaim Schneider, selbst als Kind ungarischer Holocaust-Überlebender in Deutschland geboren, näherte sich dem Thema aus innerjüdischer Perspektive.
„Unsere Eltern“ erzählt Schneider, wollten endlich das Leben genießen, wollten am Wirtschaftswunder in der neuen Bundesrepublik teilhaben, wurden dabei aber von den Juden in aller Welt verachtet. Sie wollten die Schrecken der KZs vergessen, „aber um welchen Preis, was mussten sie alles verdrängen, um in Deutschland leben zu können“.
Bereits in den ersten Jahren nach Kriegsende kam es auch zur Wiederetablierung jüdischen religiösen Lebens. Synagogen wurden wieder aufgebaut, von Deutschen wurde das als gute Gelegenheit angesehen, guten Willen zu zeigen, schließlich hatte man mit dieser Vergangenheit nichts mehr zu tun. Lily Marx, die Frau von Karl Marx, der später die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung gründete, erzählt von den Anfängen der Gemeindearbeit. 1950 wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Sein politisches Ziel: Normalisierung, keine Diskriminierung und keine Privilegierung, Normalisierung jüdischen Lebens in Deutschland.
Das Buch erschien 2000 im Ullstein Verlag. Bestellen können Sie es hier.