Shida Bazyar gewinnt Deutschen Buchpreis 2026 mit Die Lücken
Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ aus. Ziel des Preises ist es, über Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit zu schaffen für deutschsprachige Autorinnen und Autoren, das Lesen und das Leitmedium Buch. Verlage können sich mit ihren Titeln direkt um die Auszeichnung bewerben. Die Besonderheit: Auch Titel, die sich zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch in der Produktion befinden, sind zum Auswahlverfahren zugelassen. Darüber hinaus steht der Deutsche Buchpreis für eine garantiert unabhängige und kompetente Preisträgerermittlung: Die sieben Jurorinnen und Juroren prüfen alle eingereichten und den Teilnahmekriterien entsprechenden Bücher.
Um größtmögliche Unabhängigkeit und Transparenz bei der Preisvergabe zu sichern, hat der Vorstand des Börsenvereins die elfköpfige Akademie Deutscher Buchpreis berufen, der Vertreterinnen und Vertreter der Buch- und Medienbranche angehören. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Wahl der jährlich wechselnden Jury, die den Preisträger oder die Preisträgerin in mehreren Auswahlstufen ermittelt.
Der Deutsche Buchpreis, veranstaltet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, wird von Partnern außerhalb der Branche unterstützt. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main.

Am 5. Oktober 2026 fand die Preisverleihung im Frankfurter Römer, moderiert von Jo Schück, statt und die Öffentlichkeit erfuhr, welcher Titel der Roman des Jahres 2026 wurde. Aus 205 Einreichungen hatte die siebenköpfige Jury 20 Romane für die Longlist ausgewählt, sechs davon erreichten die Shortlist. Am Montagabend wurde der mit 25.000 Euro dotierte Deutsche Buchpreis zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse in Frankfurt am Main verliehen. Er gilt als einer der wichtigsten Buchpreise für deutschsprachige Autorinnen und Autoren.
Bei der festlichen Veranstaltung waren die sechs nominierten Autorinnen und Autoren, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, Ina Hartwig, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, und die Jury des Deutschen Buchpreises 2026 um die Jurysprecherin Cornelia Geißler (Berliner Zeitung).
Auf der Shortlist der nominierten Romane für den Deutschen Buchpreis 2026 standen:
- Shida Bazyar: Die Lücken (Kiepenheuer & Witsch)
- Franziska Gänsler: Orca (Kein & Aber)
- Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle (S. Fischer)
- Elias Hirschl: Schleifen (Paul Zsolnay)
- Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens (Galiani Berlin)
- Dana Vowinckel: Anton und Alma (Suhrkamp)

Shida Bazyar Preisträgerin 2026 © Linda Deutsch
Shida Bazyar ist für ihren Heimatroman Die Lücken mit dem Deutschen Buchpreis 2026 ausgezeichnet worden. Die hochaktuelle Geschichte spielt in dem fiktiven Dorf Heimesbach und reflektiert 100 Jahre deutscher Geschichte.
Die Spannung war groß: Schriftstellerin Shida Bazyar setzte sich letztendlich mit ihrem Roman Die Lücken gegen fünf andere Titel durch. Die Jury lobte Bazyars „überzeugende literarische Strategien".
Das Buch von Shida Bazyar reflektiere anhand einzelner Schicksale fast 100 Jahre ambivalenten deutschen Lebens, begründete die Jury die Entscheidung. „Es waren Nachbarn, die zusahen, wie jüdische Menschen aus den Straßen verschwanden. Es sind Nachbarn, die Entscheidungen treffen, ob Menschen mit Migrationsgeschichte sich zu Hause fühlen."
Die 1988 geborene Autorin wähle überzeugende literarische Strategien, so die Jury weiter: „Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen."
In ihrer Dankesrede sagte die Schriftstellerin mit iranischen Wurzeln: „Es fällt mir nicht leicht, so richtig Freude zu empfinden, muss ich sagen, weil das schon ein sehr merkwürdiges Gefühl ist, wenn man einen Roman schreibt über Menschen, die verfolgt, terrorisiert und ermordet wurden. Sich dann einfach richtig zu freuen, das kommt mir nicht ganz richtig vor." Deswegen solle die Wertschätzung den Menschen gehören, um die es in dem Buch geht, so Bazyar und sie betonte: „Ich möchte darauf hinweisen, dass die antisemitischen Straftaten auf einem Höchststand sind - und die rassistischen auch. Und dass es im Moment keine Minderheit in Deutschland gibt, die keinen Grund zur Sorge hat."