Gewichtheber-WM in Barleben: Zwei Senioren greifen nach der Krone

 

Stendaler Senioren trainieren für die Weltmeisterschaft

 

 

In Barleben ist immer etwas los, das ist kein Geheimnis: Heimatfeste, Firmentagungen, sportliche Wettbewerbe! Barleben hat wirklich für jeden etwas zu bieten. Doch was in der Einheitsgemeinde vom 29. September bis zum 3. Oktober passiert, ist schon etwas ganz Besonderes: In dieser Zeit trifft sich die Weltelite der Amateure im Kraftdreikampf – Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben, um die Besten der Besten zu ermitteln.
Mehr als 500 Kraftsportler aus über 20 Nationen der Welt werden in Barleben erwartet – sogar „Kraftkerle“ aus Indien reisen an. Allerdings liegt der Schwerpunkt auf europäischen Mannschaften. Außerdem dabei: zahllose Trainer, Betreuer und Familienmitglieder. Dass dieses Event in die Börde kommt, hat Barleben dem 1. Vorsitzenden des Kraftsportvereins „Schwerathletikscheune", Dr. Andreas Günther, zu verdanken, der mit acht weiteren Kraftsport-Interessierten am 3. September 2021 den Verein gründete.

Die Stendaler Gewichtheber Günter Wenzik (links) und Klaus Dieter Kosink (rechts) mit ihrem Trainer Dirk Hennig.© T.Pfundtner

Von Thomas Pfundtner

Stendal / Barleben - Bereits Ende März hatten Dr. Andreas Günther und seine Mitstreiter die Deutschen Meisterschaften für den deutschen Ableger des Weltverbands „World United Amateur Powerlifting" (WUAP) im Ort und in der Mittellandhalle organisiert. Die Bereitstellung von Hotelkontingenten, Pokal- und Medaillenentwürfe, Organisation der Wettkämpfe, Betreuung der Athleten und VIPs – alles lag in den Händen der Schwerathletikscheune.
Und nun also die Weltmeisterschaft. Ausschlaggebend war – neben dem von Andreas Günther erstellten Konzept – der moderne Veranstaltungskomplex „Mittellandhalle" mit den beiden Sporthallen, den Tribünen, dem Saal im Obergeschoss, einem VIP-Bereich, dem Kraftraum, dem Multifunktionsraum, den Gymnastikräumen, den Besucherräumen und dem Restaurant. Dazu hochmoderne Technik - alles ideal für internationale Veranstaltungen.

Günter Wenzik während des Wettkampfes.©Schwerathletikscheune

Tatsächlich wurde die Feuerprobe, die Austragung der „Deutschen Meisterschaften", mit Bravour bestanden. Das bestätigen auch Klaus Kosink und Günter Wenzik aus Stendal, die im März in Barleben dabei waren. Sie erinnern sich: „Die Mittellandhalle präsentierte sich in bester Verfassung – tolle Atmosphäre, starke Organisation, große Aufwärmfläche. Wirklich gute Bedingungen. Die Organisatoren hatten alles ermöglicht, damit wir uns ausschließlich auf unseren Sport konzentrieren konnten."
Das zahlte sich aus: Kosink und Wenzik wurden nicht nur Deutsche Meister, sondern beide stemmten beim vierten Versuch im Kreuzheben einen neuen deutschen Rekord: 140 Kilogramm! Kein Wunder, dass die neuen Deutschen Meister nach ihren Leistungen von jungen Leuten immer wieder um Autogramme und Selfies gebeten wurden. Allerdings nicht nur wegen ihrer Erfolge, sondern besonders wegen ihres Alters: Klaus Kosink zählt 71 Lenze und Günter Wenzik hat bereits 81 Jahre auf der Lebensuhr. Damit war er der älteste Teilnehmer im gesamten Starterfeld. „Günter und Klaus sind zwei Athleten, die trotz ihres Alters beweisen, was mit Disziplin, Erfahrung und beeindruckender Zähigkeit nicht nur an der Hantel, sondern im gesamten Sport möglich ist", sagt ihr Trainer Dirk Hennig.
Und das, obwohl das Kraft-Team erst in Coronazeiten zum Gewichtheben kam. Eigentlich wollten der ehemalige Schlosser und der einstige Ingenieur während der Pandemie lediglich Mobilitätstraining absolvieren, um ihre Fitness zu steigern. Deshalb wurden sie von einer Bekannten in der Turnstube Stendal angemeldet. Auch dieser Verein wurde während Corona aktiv und baute Ende 2020 ein kleines, aber feines Trainingszentrum in der Hansestadt nahe dem Amtsgericht auf.

Eine starke Leistung: Vom Mobilitätstraining zur Weltmeisterschaft

Die Senioren beim Krafttraining in der Trainingshalle.©T.Pfundtner

Hier trainieren die Senioren-Mitglieder bis zu dreimal in der Woche für mindestens zwei Stunden. Neben Kraftübungen stehen Ausdauertraining, Konzentrations- und Entspannungsübungen auf dem Programm. „Na ja, und irgendwann kam Ehrgeiz dazu", erinnert sich Klaus Kosink. Das Team wollte mehr. Die Folge: 2023 wurden die Gewichtheber erstmalig in Wolgast Deutsche Meister.
Dass dies keine Eintagsfliege war, bewiesen die „Muskelprotze" dann im März 2026 in Barleben. Klaus Kosink, der Jahrzehnte als Fußballer unterwegs war erzählt – um noch einmal auf den „Ehrgeiz" zurückzukommen: „In Barleben stemmte ich im dritten Durchgang die 130 Kilo. Ich konnte spüren, wie danach das Adrenalin durch meinen Körper schoss und mit den Glückshormonen feierte. Dazu der Jubel und der Applaus der Zuschauer. Die Halle bebte förmlich. In dem Moment packte mich der Ehrgeiz. Total überwältigt beschloss ich in Sekundenschnelle: ‚Da packe ich noch einen drauf!' und ließ weitere zehn Kilo auf die Hantel legen."
Voll konzentriert und unter höchster Anspannung stellte er sich hinter das Sportgerät, überprüfte das Eisen und die Magnesiumschicht der Hände. Es herrschte Totenstille, als er vor der Hantel etwas in die Beuge ging und sie vorsichtig auf sein Kreuz legte. Dann griffen die Hände zu, und 140 Kilo wurden nach oben gedrückt. Halten, halten – neue deutsche Bestleistung! Zwar kam das Ergebnis nicht mehr in die März-Kampf-Wertung, da es der vierte Versuch war, aber eine klare Ansage für die Weltmeisterschaft im Herbst.
Auch Günter Wenzik hob 140 Kilo. Durch vorherige Fehlversuche wurde es aber nicht als Rekord anerkannt.

Die starken Senioren aus Stendal.©T.Pfundtner

Nun stehen den Heber-Freunden anstrengende Wochen und Monate bevor: Training, Training, Training. Ihr ehrgeiziges Ziel: Sie wollen bei der Weltmeisterschaft im September in der Mittellandhalle nach der Krone greifen und den WM-Titel holen. Doch sie wissen genau, dass dies bei der Weltmeisterschaft kein einfaches Unterfangen wird: „Die Konkurrenz wird groß sein und wir kämpfen gegen Spitzenathleten aus der ganzen Welt“, wissen sie, „da müssen wir auf den Punkt topfit sein. Im Kopf, in den Muskeln, im Herzen.“