Lebensmittelkontrolle in TdA-Küche – Staatsanwaltschaft ermittelt

 Ehemaliger Caterer hat das Haus verlassen. Theater schweigt zu den Vorgängen.

Das Hauptportal des Theaters der Altmark in Stendal.@ik

Von Thomas Pfundtner

Stendal – In wenigen Tagen beginnt am Theater der Altmark die neue Spielzeit 2026/2027. Zur Eröffnung lädt das Haus zur Premiere von „Der nackte Wahnsinn“. Dieses Stück wurde 1982 von dem englischen Schriftsteller Michael Frayn zu Papier gebracht und war bereits auf vielen deutschen Bühnen zu sehen. 10 Jahre später wurde es von Peter Bogdanovich verfilmt. Unter anderem standen Michael Caine und Christopher Reeve vor der Kamera. Doch auch sie konnten das Movie nicht retten, „Der nackte Wahnsinn“ kostete rund 13 Millionen Dollar und spielte lediglich 2,2 Millionen Dollar in den Kinos der USA und Kanada ein – ein sogenannter „Box Office Flop“. Allerdings entwickelte sich später der Film auf Video zu einem Kultklassiker, was vor allem an den hervorragenden Schauspielern lag. Nun also hält „Der nackte Wahnsinn“ auch in Stendal Einzug.

Eigentlich alles perfekt, denn Komödien sind in den meisten Theatern Zugpferde, die das Publikum anlocken. Zwar sieht der Vorverkauf (Stand 9. September 2026) noch nicht besonders berauschend aus. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt …

Symbolbild – abgelaufenes Lebensmittel©ik

Wie bereits des Öfteren am TdA erlebt, scheint hin und wieder nicht alles glatt zu laufen. So auch vor dieser Premiere.

Vor einigen Tagen verschickte der Förderverein einen Brief, in dem er um Unterstützung der Mitglieder beim Premieren-Catering bat. Nach dem Motto „Was nützt das schönste Theaterstück, wenn es nichts zu trinken gibt“ – vor der Aufführung, in der Pause und bei der anschließenden Premierenfeier.

Nanu, was ist denn da passiert, fragten sich viele Stendaler, nachdem sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet hatte.

Auf Anfrage von www.journalismus-buecher-pfundtner.de hieß es offiziell:  „Zu den genauen Gründen, warum Herr R. (Name von der Redaktion gekürzt) nicht mehr das Catering bzw. das Theatercafé betreibt, kann und darf ich Ihnen leider keine weitere Auskunft geben.
Es gibt aktuell einen Lichtblick, wir werden nicht lange ohne Caterer bleiben. Aber hierzu ist noch nichts unter Dach und Fach, sobald es dies aber ist, gebe ich Ihnen gerne mehr Auskunft dazu.“

Auf eine weitere Nachfrage, ob die fristlose Kündigung des Caterers, etwas mit der Hygiene zu tun habe, kam als Antwort: „Dies sind im Moment noch interne Angelegenheiten, über die wir nicht sprechen können. Danke für Ihr Verständnis.“

Was ist passiert?

Dazu teilt die Pressestelle das Landkreises Stendal nach Rücksprache mit dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt mit: Am Samstag, dem 6. Juni – also vor drei Monaten (!) –  hat aufgrund einer anonymen Anzeige eine unangekündigte Lebensmittelkontrolle bei „Art-E-Fackt Kunst und Genuss“ im Theater der Altmark stattgefunden. Dabei sind Reste verfristeter Lebensmittel – teils frisch und mit abgelaufenem Verbrauchsdatum – vorgefunden worden. Die auffälligen Waren wurden mit einem Entsorgungsverweis gekennzeichnet und die Mitarbeiterinnen aufgeklärt, dass die Waren nicht mehr zur Abgabe an den Verbraucher zu verwenden sind. Weiterhin ist Strafanzeige wegen des Inverkehrbringens empfindlicher Lebensmittel nach Ablauf des Verbrauchsdatums erstattet worden. Diese ist aktuell in Bearbeitung bei der Staatsanwaltschaft.

Bei der Premiere ist die Intendanz serviceorientiert

Die Mitarbeitenden des TdA sind schon als Gastgeber bewährt.@ik

Mangelnde Hygiene am TdA das ist ein Ding.

Es ist leider tatsächlich so – und wurde der Redaktion unter anderem vom Förderverein bestätigt – sodass die Frage gestattet sein darf, warum sich nicht schon eher mal die Küche kontrolliert wurde und ob niemandem etwas aufgefallen ist.

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Transparenz sieht anders aus. Wie zum Beispiel die Antwort der Pressestelle der Stadt Stendal auf unsere Anfrage zu dem Thema Hygienekontrolle. Sprecher Philipp Krüger teilte mit:
„Der Cateringvertrag mit der „Art-E-Fackt Kunst und Genuss“ lief ordnungsgemäß zum 20.07.2026 aus. Auch auf Wunsch von Herrn. R. (Name von der Redaktion gekürzt), als Geschäftsführer der „Art-E-Fackt“, wurde dieser nicht für die neue Spielzeit verlängert. Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung und dem Ziel Einnahmen zu genieren, ist das TdA bestrebt, das Theatercafé zukünftig wieder zu verpachten. Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt hat nicht beim TdA eingegriffen, sondern eine Lebensmittelkontrolle bei der „Art-E-Fackt“ durchgeführt.“

Stimmt, aber die Kontrolle fand Wochen vor dem Ende der Geschäftsbeziehung zwischen dem Theater und dem Caterer statt. Was also ist danach noch vorgefallen und warum hüllt sich die Intendanz in Schweigen. Zumal das Haus seit langem weiß, dass der Traum von einem Theatercafé für Publikum und Mitarbeitende nur schwer umzusetzen ist, sind dafür doch hunderttausende Euro nötig. Geld, das das TdA derzeit nicht hat. Es wäre also doppelt wichtig gewesen, darauf zu achten, dass der Küchenbereich – wenn auch veraltet – wenigstens tipptopp ist und keine alten Lebensmittel rumliegen.

Derzeit gibt es also niemanden, der an Theaterabenden die Gäste versorgt.

Wie zu erfahren war, wurde ein Verein angefragt, ob geholfen werden könne. Dieser musste – wohl aus Termingründen –absagen, sodass der Förderverein des Theaters mit seiner Bitte in die Bresche sprang.

Zwei Mitglieder haben zugesagt. Wohl zu wenig, denn, wie es aus Theaterkreisen heißt, steht am Wochenende die Intendanz hinter dem Tresen und hilft beim Getränkeverkauf. An anderen Abenden sollen wohl andere Mitarbeitende einspringen.

Die neuen Ensemblemitglieder Sophia Geier (oben) und Katinka Mache (unten).©TdA, Nilz Böhme

Als kleinen Ausgleich für einen nicht so perfekten Service hat das TdA aber etwas anderes für den Premierenabend vorbereitet:

Wie  die Pressestelle des TdA mitteilt – ist eine Tombola geplant, bei der drei T-Shirts mit dem Motiv von Monty Python´s Spamalot versehen, zu gewinnen sind.
Wir drücken allen Premierengästen, die Daumen, dass sie ein T-Shirt gewinnen.

Auch den Schauspielerinnen Lea Sophia Geier (die auch als Puppenspielerin in Erscheinung treten wird) und Katinka Mache, die neu zum Ensemble gehören, drücken wir die Daumen.
Das gilt selbstverständlich ebenso für Neuzugang Henning Bormann, der neben neuen Rollen die bisherigen Rollen von Matthias Hinz, der das Haus Richtung Dresden verlassen hat, übernehmen wird. Hoffen wir, dass das neue Trio schnell am TdA heimisch und erfolgreich wird.

Und hoffen wir auch, dass die neuen beim nächsten Sommertheater auf der Hafenbühne in Tangermünde nicht bei über 40 Grad auf die Bühne müssen, so wie vor wenigen Wochen passiert. Während überall in Deutschland Freiluftvorstellungen abgesagt wurden, mussten die Stendaler Schauspieler schwitzend auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und unter der gleißenden Sonne stundenlang tanzen, hüpfen, singen und spielen…