Den Kleist-Preis 2026 erhält Thomas Melle
Die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft vergibt den Kleist-Preis im November jedes Jahres in zeitlicher Nähe zu Kleists Todestag, vorzugsweise in einem Berliner Theater.
Der Kleist-Preis soll kein Preis für das Lebenswerk einer Autorin oder eines Autors sein, sondern ein Preis für risikofreudige Schreibende, die wie Kleist als Vordenker für die Zukunft gelten können und deren Werk von nachhaltiger literarischer Qualität zu sein verspricht.
Der Kleist-Preis wird nur an deutschsprachige Autoren vergeben, die in den Formaten Kleists schreiben - Drama, Lyrik, Prosa, Essay - und zum Zeitpunkt ihrer Wahl mehr als ein Werk publiziert haben.

Thomas Melle auf der Frankfurter Buchmesse 2018 © Heike Huslage-Koch
Der Schriftsteller Thomas Melle wurde für sein herausragendes literarisches Schaffen mit dem Kleist-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 22. November im Rahmen einer Matinée im Deutschen Theater Berlin statt. Anlässlich des bevorstehenden 250. Geburtstags von Heinrich von Kleist im Jahr 2027 wurde die Dotierung des Preises erhöht und beträgt in diesem Jahr erstmalig 30.000 Euro. Gemäß der Tradition des von der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft verliehenen Preises wählte die Jury zunächst eine Vertrauensperson – in diesem Jahr den Verleger Heinrich von Berenberg –, welche daraufhin Thomas Melle als Preisträger bestimmte.
Heinrich von Berenberg begründet die Entscheidung wie folgt: „Niemandem unter den deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen und -autoren ist es gelungen wie Thomas Melle, dem gesellschaftlichen Leben des 21. Jahrhunderts, wie wir es kennen, einen so realistischen wie kunstvoll gearbeiteten Spiegel vorzuhalten. Wer hineinblickt, wer diesen Autor liest, dessen Leben wird verändert, und mehr kann Literatur eigentlich nicht tun". Weiter betont von Berenberg: „Sein im besten Sinne verstörendes Werk stellt Thomas Melle an die Seite des Namensgebers dieses Preises, der schon von seiner Welt meinte, ihm sei auf ihr nicht mehr zu helfen. Den Kleist-Preis hat dieser Autor mehr als verdient".
Kerstin Gleba, Verlegerin Kiepenheuer & Witsch Verlag: „Wir freuen uns sehr über die hochverdiente Auszeichnung für Thomas Melles gesamtes literarisches Schaffen. Mit dem Kleist-Preis wird ein Werk gewürdigt, das von seinen vielgespielten Theaterstücken bis hin zu seinen großen Romanen eine außergewöhnliche Intensität entfaltet. Ob in der radikalen Offenheit von ›Die Welt im Rücken‹ oder der erzählerischen Brillanz seines jüngsten Romans ›Haus zur Sonne‹ – Thomas Melle findet stets eine Sprache für das Unsagbare. Seine Texte sind radikale Tiefenbohrungen; sie sezieren die Gegenwart mit einer Präzision, die ebenso schmerzhaft wie erkenntnisreich ist."
Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmann ins Deutsche. Sein Debütroman Sickster (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman 3000 Euro, 2016 Die Welt im Rücken, die beide auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen. Die Welt im Rücken wurde zudem in 22 Sprachen übersetzt. Das leichte Leben erschien 2022 bei Kiepenheuer & Witsch, im letzten Jahr dann Haus zur Sonne, das für den Deutschen Buchpreis und für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis nominiert war. Thomas Melle lebt in Berlin.
Hinterlasse einen Kommentar