Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth verstorben

Rita Süssmuth während des Interview 2019.©Markus Nowak
Im Alter von 88 Jahren verstarb mit Rita Süssmuth eine Kämpferin
Prof. Dr. Rita Süssmuth (geborene Kickuth) wurde am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers geboren. Sie wuchs in Wadersloh auf und legte 1956 am Emsland-Gymnasium in Rheine ihr Abitur ab und studierte in Münster, Tübingen und Paris Romanistik und Geschichte. Nach dem Staatsexamen für das Lehramt 1961 absolvierte sie ein Postgraduiertenstudium in Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie. Sie promovierte 1964. Im gleichen Jahr heiratete sie Hochschulprofessor Hans Süssmuth, mit dem sie eine Tochter hat. Nach vielen Jahren als wissenschaftliche Assistentin und Dozentin wurde Rita Süssmuth 1971 zur ordentlichen Professorin für Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ruhr ernannt. Sie war in den 1970er Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund; zugleich wirkte sie in verschiedenen Gremien des Familienministeriums mit.
1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin. In dieser Funktion setzte sie sich beherzt für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein.
Während ihrer politischen Karriere setzte sie sich mit großem Engagement unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 und für Aids-Kranke ein. Dabei gelang es ihr nach harten Kämpfen, den Grundsatz „Prävention statt Ausgrenzung" durchzusetzen.
Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm Süssmuth weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz", die „Limbach-Kommission" berufen.
Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Ebenso war Rita Süssmuth über 27 Jahre die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, seit 2015 Ehrenpräsidentin des Verbandes.
Gestorben ist Rita Süssmuth am 1. Februar 2026.

Mit Rita Süssmuth verstummt eine mutige, kluge Frau, die sich auch abseits ihrer politischen Ämter für Menschen in verschiedenen Lebenslagen einsetzte.©Markus Nowak
Hier können Sie noch einmal das aufschlussreiche Interview mit Rita Spüssmuth aus dem Jahr 2019 lesen: https://journalismus-buecher-pfundtner.de/interview-rita-suessmuth/.