Mein erster Urlaub im Wohnmobil. Ein Etappenziel ist, dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans beizuwohnen, wie es 50.000 andere Besucher auch vorhaben. Alle möchten dieses Spektakel genießen, möglichst dicht am Geschehen sein, es mit allen Sinnen aufnehmen.

Dieser 3. Teil des Reiseberichts erschien am 12. Juni 2022 in der Volksstimme.

Von Wasserbillig nach Le Mans zum

24-Stunden-Rennen

Stendal.  Gut ausgeschlafen wache ich nach der allerersten Nacht in einem Wohnmobil in Wasserbillig auf. Ehrlich, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe genauso gut wie im Hotel geschlafen. Um aufrichtig zu sein, sogar besser als in vielen Herbergen, in denen ich übernachtet habe. Pluspunkt für das Campen.

Auch meine Lebensgefährtin ist bereits wach. Allerdings liegt sie nicht mehr neben mir, sondern hat sich bereits das gebrauchte Geschirr vom vorigen Abend gegriffen, ist damit zum Spülplatz geeilt und wäscht ab. Ja, ich wusste, dass der Challenger auch einenWassertank besitzt, damit es während der Reise nicht an dem frischen Nass für eine ordentliche Haushaltsführung mangelt. Nur, mir ist entgangen, dass dieser ja auch befüllt werden muss. Möglichst vor dem Reisebeginn… So viel zum „Camper-Experten“. Ich muss tatsächlich noch viel lernen…

Zum Lernprozess gehören auch die Duschen: In Wasserbillig erwarteten mich Kabinen, wie ich sie von den Badelandschaften in Hotels kenne. „Na, das ist ja prima“, dachte ich und hüpfte fröhlich unter die Dusche. Deutlich mehr als spärlich rieselte das Wasser an mir herab und wechselte ständig von ganz heiß zu richtig kalt. Alles Drehen am Regler erwies sich als suboptimal. Ich fühlte mich auf meinem „Lebensstrahl“ wieder in die Vergangenheit katapultiert und musste unwillkürlich an meine Internatszeit an der Nordsee denken.

„Sei nicht so pingelig“, lächelte meine Lebensgefährtin meine dunklen Gedanken weg, „Wechselduschen ist gesund! Und was meinst Du, was Dich in Le Mans erwartet…“

Das ist ein Eindruck dessen, was uns auf der Strecke erwartet. Enge Tunnel, mal kürzer, mal länger.

Als ich sie fragend anschaute, klärte sie mich schnell auf: „Wir campen auf einem Gelände, das eigentlich eine ganz normale Wiese ist. Nur während der Rennwochen werden hier Strom und Wasser bereitgestellt, Duschcontainer sowie Toiletten aufgebaut. Längst nicht so komfortabel wie hier in Wasserbillig oder auf anderen Campingplätzen.“

Meine Begeisterung für Campen mit dem Wohnmobil sinkt rapide – „Das kann ja was werden“, denke ich so vor mich hin und will schon anfangen zu grummeln, um dem Unmut Luft zu machen. Aber dazu komme ich nicht, denn liebevoll nimmt mich meine Freundin in die Arme und drückt mir einen dicken Kuss auf den Mund: „Das werden tolle Tage, Du wirst schon sehen.“

Also machen wir unser Wohnmobil reisebereit, laden Tisch, Stühle, Fahrrad und Stromkabel ein, kurbeln  Bett und Wagenstützen wieder hoch, krabbeln in die Fahrerkabine und los geht’s… … bis zur Campingrezeption. Wir müssen noch bezahlen. Ein junger Deutscher aus Rheinland-Pfalz, der seit einem Jahr bei seiner luxemburgischen Freundin lebt, erzählt uns, dass das Leben in Luxemburg grundsätzlich teurer ist als in Deutschland, aber sehr viel entspannter verläuft. In aller Ruhe zieht er die Geldkarte durch das Terminal, druckt die Quittung aus und reicht sie mir: Zwei Erwachsene, ein Wohnmobil-Stellplatz, Müll und Strom – macht zusammen 23,50 Euro. Na, das ist doch mal etwas ganz anderes als eine Rechnung im Hotel…

Autofahren in Frankreich ist eine spezielle Erfahrung

Mautstrecke in Frankreich. Entspanntes Fahren ist hier möglich, allerdings auch nicht in den Ballungsräumen. Da herrscht stop-and-go vor.

„Le Mans, Le Mans, wir fahren nach Le Mans“, singe ich hinterm Steuer laut und kräftig, wohl wissend, dass über 600 Kilometer vor uns liegen. Nicht wenig, aber wir haben Zeit und wollen die Kilometer ja nicht „fressen“. Zumal wir zugucken könnten, wie die Tankanzeige des Challenger bei Geschwindigkeiten um 120 km/h Richtung Reserve pegelt …

Einen Luxus gönnen wir uns allerdings ­– wir fahren bis Le Mans auf der Mautstrecke. Das kostet knapp 100 Euro, dafür ist das Fahren sehr entspannt, da der Verkehr nicht so stark ist. So rollen wir gemütlich durch Frankreich, vorbei an Verdun, durch die Champagne, weiter Richtung Paris. Schlagartig ist es mit der Gemütlichkeit vorbei: Im Minutentakt nimmt der Verkehr zu und die Geschwindigkeit ab. Aus dem fließenden Verkehr wird mehr und mehr eine lange Schlange, die sich kaum noch weiterbewegt. Stop-and-go  – nur noch langsamer. Es ist wie am Frankfurter Kreuz, nur dreimal potenziert und für eine sehr viel längere Strecke gültig.

Dazu kommt: Das Handy-Navi schickt uns ständig auf eine andere Autobahn: Blinken, hupen, zügig nach rechts lenken – der Franzose lässt ein anderes Fahrzeug nur höchst ungern einscheren. Dann die Tunnel: Lang, stickig und extrem eng. Kein Wunder, dass meine Freundin unruhig auf dem Beifahrersitz herumrutscht. Auch ich muss mich konzentrieren und äußerst wachsam sein. Im Pkw wäre das für mich kein Problem. Aber mit dem Wohnmobil ist das eine andere Sache. Zumal es nicht mir gehört. Nach gut 60 Minuten ist es geschafft. Nun sind es nur noch 140 Kilometer bis zur Rennstrecke in Le Mans. Wir lachen uns an und freuen uns, dass nun nichts mehr passieren kann.

Ein kleiner Abbiegefehler und schon hat man eine Stadtrundfahrt vor sich…

Falsch gedacht: In Le Mans biege ich nur einmal falsch ab und schön müssen wir uns eine ganze lange Stunde durch die engen Gassen der Altstadt quälen. Wir sind genervt, zumal wir – nachdem wir auch diese Tücke überstanden haben – noch in einem riesigen Supermarkt für die kommenden Tage einkaufen müssen.

Endlich angekommen. Aufgebaut und eingerichtet. Erste Eindrücke gesammelt und schnell notiert.

Aber unsere Stimmung hebt sich merklich, als wir dann gegen 20 Uhr erschöpft, aber glücklich auf dem „Camping-Platz“ nahe der Rennstrecke ankommen. Strom anschließen, Wagenständer aufdrehen, Fahrrad raus und Bett hochkurbeln. Abläufe, die mir mittlerweile sehr vertraut sind – nach nur drei Tagen.  Sogar mit der Gasflasche und dem Kocher im Wohnmobil kann ich schon umgehen – zumindest für Nudeln mit selbst gemachter Tomatensoße und frischem Knoblauch reicht es.