Ralf Bauer

 

„Ich freue mich auf Stendal“

 

Stendal. Wer kennt ihn nicht aus dem Fernsehen („Gegen den Wind“) oder von der Leinwand („666 – Trau keinem, mit dem Du schläfst“). Schauspieler Ralf Bauer (55).  Jetzt kommt der gebürtige Karlsruher für ein paar Stunden oder sogar länger am 9. Februar zum ersten Mal ins schöne Stendal. Im Uppstall-Kino stellt er seinen ersten Film, den er als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller abgedreht hat, persönlich vor: „Sem Dhul – die Wiederkehr“.

Es ist die Geschichte eines Fluchthelfers, der in Indien gegen das Regime und für die Freiheit der Tibeter kämpft. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland muss der Idealist erschreckt feststellen, wie weit der Arm Chinas in Europa bereits reicht. Eine Low-Budget-Produktion, die das Zeug hat, sich zu einem Überraschungserfolg auf der Leinwand zu entwickeln.

Für die Volksstimme Stendal nahm sich Rolf Bauer viel Zeit für ein ausführliches Telefon-Interview. Veröffentlicht wurde es am 8. Februar 2022 in der Stendaler Volksstimme.

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Ralf Bauer mit Günther Tyllack im Uppstall-Kino Stendal.

Herr Bauer, wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Film? 

Das war 2014. Mit Tibetern war ich im Kloster des Dalai Lama zu Gast und sah plötzlich, wie ein Kollege auf einem Esel auf das Gebäude zugeritten kam.

Dieses Bild hat mich nie wieder losgelassen. Aus diesem Bild entstand die Idee für meinen Film. Nicht sofort, sondern Stück für Stück.

2018 begannen dann die Dreharbeiten in der berauschenden wilden Schönheit des Himalaya in Indien. Im Herbst 2019 filmten wir in St. Peter Ording vor der schäumenden Nordsee und in Hamburg. Zum Glück kam Corona erst später – sonst wäre mein Film noch lange nicht fertig.

Hauptdarsteller, Produzent, Regisseur – ziemlich anstrengend, oder?

Da haben Sie Recht. Ohne Yoga hätte ich das nie geschafft. Bei allem Trubel, das richtige Atmen und die innere Ruhe – die ich durch mein regelmäßiges Yoga erlange – gibt mir innere Ruhe, Kraft und Sicherheit. So konnte ich auch die schwierigsten Situationen mit Gelassenheit angehen.

„Sem Dhul“ ist eine Low Budget-Produktion. Trotzdem mussten Sie eine Million Euro investieren. Macht Ihnen das nicht Angst?

Nein, warum? Für mich war schnell klar, dass ich keine großen Produzenten finden würde. Ich wollte beweisen, dass es möglich ist, alle Filmgenres – von der Komödie, über das Drama hin zu Thriller und Erzählung – miteinander zu verbinden, ohne dass sich der Zuschauer langweilt. Dieser Gedanke hat vielleicht potentielle Investoren abgeschreckt. Aber jetzt ist es geschafft. Der Film kommt in die Kinos.

Was erhoffen Sie sich?

Sicherlich wird mein Film kein Blockbuster oder Millionen Euros einspielen. Aber das ist eigentlich für mich auch überhaupt nicht entscheidend …

…worum geht es Ihnen denn?

…es geht um die Achtung der Natur und der menschlichen Würde. Menschenrechte werden in China mit Füßen getreten. Und der Westen unternimmt nichts. Gleichzeitig weitet China seine wirtschaftliche Macht aus ­ wie eine Krake. Nicht nur über die Seidenstraße, sondern auch über Investments in allen Bereichen. Wie im Film in Ferienorten. In der Realität in Unternehmen, Immobilien und, und, und… Das ist das große Spiel. Das kleine Spiel ist der Terror und der Druck auf Tibet. Ein wunderbares, friedliebendes Land. Mit einer Lebensphilosophie, von der wir Westler uns mehr als nur eine Scheibe abschneiden können.

Jetzt kommen Sie nach Stendal. Kennen Sie die Stadt?

Nein, noch nicht. Ich weiß nur, dass es eine alte Hansestadt ist …

…mit einer schönen Altstadt und romantischen Ecken …

…darauf freue ich mich sehr. Ich liebe es, durch unbekannte Städte zu streifen und mir ein persönliches Bild zu machen. Oft entscheide ich spontan, ob ich noch eine Nacht bleibe und suche mir dann ein kleines Hotel. Und, ich brauche immer einen Italiener, der einen heißen frischen Espresso serviert. Das liebe ich, denn dann kann ich so herrlich meine Seele baumeln lassen.

Werden Sie wieder einmal nach Stendal kommen?
Wenn mir die Stadt gefällt – garantiert. Und nach Ihren Beschreibungen habe ich keine Zweifel, dass ich Stendal wieder besuche.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser selbst mit Ralf Bauer ins Gespräch kommen wollen, sollten Sie am 9. Februar ins Uppstall-Kino kommen. Um 19 Uhr geht es im Saal 2 los, die Vorstellung ist bereits ausverkauft.

Kinoleiter Günther Tyllack: „Um 19.30 Uhr geht es in Saal 1 weiter. Und wenn die Nachfrage weiter so ist, wie bisher, öffnen wir gern auch noch einen dritten Saal.“

Übrigens: Vom Eintrittspreis jeder Kinokarte werden fünf Euro an die gemeinnützige Stiftung Fundació Casa del Tibet gespendet.